Weingut Michael & Erich Andert - Die Zauberer des Zweigelts!

Weingut Michael & Erich Andert

 

Erich & Michael Andert sind Wegbegleiter des Weinskandals der ersten Stunde. Ihr 4,7 ha großes Weingut liegt in Pamhagen im Burgenland. Dem sogenannten Seewinkel. Einem Zwickel, gebildet durch das östliche Seeufer des Neusiedlersees und der Staatsgrenze zu Ungarn. Die größte europäische Steppenlandschaft, die Puszta, findet hier ihre nördliche Begrenzung. Im Sommer haben wir uns auf ein Gläschen bei ihnen am Laerchenfeld getroffen. Einem Ort mit ganz besonderer Ausstrahlung, einem fast ritisch erscheinenden Platz. Michael, genannt Mike, trifft die "Hauptlast" der Arbeit. Er ist zuständig für die Weingärten, die Kellerarbeit und was sonst noch so anfällt. Erich steht mit seinem feinen Gaumen mit Rat und Tat zur Seite und ist für viele das Gesicht nach außen.

 

Wie ging das Ganze denn eigentlich los, fragen wir?

"Den ersten Wein aus eigenen Trauben machte Mike 1997. Ich kann mich an ihn noch so gut erinnern. Ich war selbst gerade in der Gastronomie als Praktikant tätig und habe ihn oft ausgeschenkt", erklärt uns Erich. "Der Wein war ein Cabernet Sauvignon. In Anlehnung an die großen Bordeauxs, 4 Wochen auf der Maische, viel Tannin, viel Kraft, 14 Volt. Harte Cuvees verschlossen in der Jugend, ganz der Mode der Zeit entsprechend. Das Thema Weißwein war damals für uns unbedeutend. Unseren ersten Weißwein gab es erst 2002. Eine Cuvee aus Ruländer (Grauburgunder) und Neuburger,  genannt Pamhogner weiß. Hohe Reife bei den Trauben, sprich Kraft, war das Ziel. Deutliche Röstigkeit vom Fass nicht unerwünscht." meint Erich. "Da hat sich in den letzten Jahren viel getan. Frühere Lese, damit weniger Alkohol, weniger Holz Einfluß. Heute arbeiten wir viel zarter bei der Extraktion der Maische, vielleicht ein Drittel der Zeit. Bei Rot und Weiß fast gleich. Manch einer nennt das heute "im Trend" oder "modisch",  ich denke passender wäre es diese Art des Ausbaus traditionell zu bezeichnen." 

Die Entwicklung ihrer Weine hat uns vom Weinskandal in den letzten Jahren staunen lassen, von braven österreichischen Weinen, hin zu einer Tiefe und Verspieltheit, die beeindruckt. Monumente des freien Denkens.

Erich  lächelt und trinkt einen Schluck Rosé:"Mein Bruder kam 1999 erstmals mit der biodynamischen Idee in Kontakt. Damals war er Chef de Culture von Niki Mosers Hedwighof in Apetlon. Er selbst hatte Ende der 80er Jahre bei uns zu Hause Weingärten gepflanzt, die er im Nebenerwerb bewirtschaftete. Er begann 1999  biologisch organisch zu arbeiten. 2003 ging er einen Schritt weiter und stellte auf biodynamische Bewirtschaftung um. Die Veränderung war sensorisch sofort spürbar, das war eigenartig. Trotz der großen Trockenheit und Hitze im Jahre 2003, hatten die Weine mehr Frische, mehr Säure. 2007 wurde er schließlich Mitglied bei Demeter Österreich. Nach 4 Jahren der Umstellung gab es 2011 die ersten  zertifizierten Weine. Für Mike eine große Genugtuung."  

Weingut Michael & Erich Andert
Erich & Michael Andert in ihrem Weingarten in Pamhagen

 

"Die Gedanken Rudolf Steiners, dem Begründer der biodynamischen Landwirtschaft, bringen Himmel und Erde wieder zusammen. Den Kreislauf wieder herzustellen, darum geht es, die Prozesse nicht getrennt zu betrachten. Alles beeinflusst einander.", meint Mike.

 

Wer einmal bei den Anderts zu Gast am Laerchenfeld war, spürt sofort was er damit meint. Eine Oase der Vielfalt. Blumen und Kräuter überall, umschwärmt von  Myriaden an Insekten. Obstbäume und Gemüse wo man hinsieht. Sie halten Nutztiere, wie Schafe, Geflügel und ein kleines Hängebauchschwein, um ihre eigenen Lebensmittel herzustellen. Aus dem Mist stellen sie Kompost für die Weingärten her. Nur so kann, laut Steiner, die volle Information des Ortes in den Kompost gelangen. Also die volle Energie des Ortes sich entfalten.

"Die Weingärten werden von Jahr zu Jahr stabiler, energetischer. Vor allem seit wir gar nicht mehr spritzen. Keine Herbizide, keine Fungizide sowieso, aber auch kein Kupfer und Schwefel. Nur mehr Kräuterauszüge die in Form von Tees ausgebracht werden."

Ein totaler Verzicht auf Spritzmittel scheint für die meisten Winzer illusorisch. Die einzige Möglichkeit Pilzerkrankungen, wie echten Mehltau (Odium) und falschen Mehltau (Peronospora) in den Griff zu bekommen. Erkrankungen die zu einem großen Ernteausfall führen können.

"2016 war es ein riesen Risiko, doch durch den massiven Frost im Frühjahr war bereits fast alles verloren. Time to gamble. 2017 war ein wunderschönes Jahr. 2018 haben wir etwas hoch gepokert. Doch eigentlich hat es gut geklappt, obwohl die Peronospora Druck gemacht hat. 2019 war ein Bilderbuch Jahrgang. Da war dann das System schon stabiler. Seit wir nicht mehr spritzen werden die Schritte dorthin immer größer.", findet Erich. "Wir glauben zu sehen, dass der Weingarten, weil er nie in seinem Wachstum gestoppt oder blockiert wird, sich schneller und besser in Richtung Balance und damit Resistenz entfalten kann. Das sieht man sogar als Laie und spürt man." Entwaffnend für alle Skeptiker der biodynamischen Landwirtschaft.

Das für uns so Erstaunliche ist, dass es auch für uns zutiefst nachvollziehbar ist, was er sagt, weil es schmeckbar ist. Die aktuellen Weine aus dem Fass scheinen so strahlend und balanciert, wie nie. Egal ob maischevergorene Weiße, die oft in der Jugend sperrig erschienen oder die immer zarter werdenden Roten.

 

Ist es wirklich nur die Bewirtschaftung oder haben wir ignoranten Weinsnobs ein Kleinod großen Terroirs übersehen?

"Ich denke, dass unsere Gegend in Pamhagen einzigartig im Burgenland ist. 120 MSH, schwarzer intensiver Sand mit etwas Schotter durchzogen. Keine Erhebung weit und breit. Das Krasse an unseren Weingärten ist auch, dass sie fast im Wasser sitzen, denn der Grundwasserspiegel ist etwa 1 Meter unter der Oberfläche!", meint Erich. Das klingt aber nicht nach Leiden und Überlebenskampf für die Weinstöcke! Komplett konträr zu dem, wie Lehrbücher großes Terroire bezeichnen würden?! 

 

Kann man aus solchen Weingärten Herkunft schmecken, oder ist es vor allem die Art der Bereitung des Weines, die den Wein ausmacht?

"Wie viel Schwarzerdeboden man bei uns schmeckt, oder nicht  schmeckt weiß ich nicht. Es erscheint mir irrelevant. Macht es einen Weine per se besser, wenn er nach Leithaberg, oder Gols schmeckt? Was soll das überhaupt sein. Natürlich gibt es Aromen die wir mit Herkunft verbinden. Dies schmeckt nach Frankreich, das nach Italien. Aber geht es nicht vor allem darum, dass Wein gut schmeckt. Was bedeutet Sortentypizität oder Lagen Typizität? Was ist das Pfefferl bei Grüner Veltliner? Wir haben auch Grünen Veltliner, da gibt es das nicht. Für mich ist das ein Zeichen von Unreife, aber nicht von der Sorte und schon gar nicht von Herkunft!", gibt Erich zu bedenken. "Es gibt im Seewinkel keine Erhebungen wie sonst überall, vielleicht wirklich nicht ideal für Blaufränkisch, aber für Zweigelt scheint es mir ideal. Wir haben 2/3 unserer Fläche mit Rotwein bepflanzt. Davon sind 90% mit Zweigelt besetzt. Zweigelt wird qualitativ in Österreich immer hinter Blaufränkisch gestellt. Das verstehe ich nicht. Zweigelt hat so viele Facetten, von einem spannenden Rosé, über einen leichten Rotwein mit 9,3 Alk. Er ist ein perfekter Cuvee Partner und hat eine ganz eigene Charakteristik in speziellen Lagen, wie Rustenacker, unserem ältesten Weingarten. Ich denke die Sorte ist oftmals nur Opfer von zu viel Ertrag. Der Vorteil bei Zweigelt ist, dass auch in heißen Jahren, die Zuckergrade, sprich der Alkohol, nicht davon laufen. Ganz anders zum Beispiel bei Pinot noir. Wir haben im heißen Jahrgang 2013 eine Vorlese gemacht, da hatten die Trauben 18,5 KMW (KMW bedeutet Klosterneuburger Mostwaage. Dabei wird der Zuckergehalt in unvergorenen Trauben bei der Lese gemessen. Dieser Wert gibt Aufschlüsse wie hoch der zu erwartenden Alkoholgehalt nach der Gärung seien wird. Ein wichtiger Wert zur Festlegung des Erntezeitpunkts). 2 Wochen später, bei der Hauptlese, hatten wir denselben Wert. Einzig der Geschmack und die Balance veränderten sich. Hier sehe ich einen merklich positiven Einfluss durch die biodynamische Bewirtschaftung. Der Traubenansatz und die Blattmenge ist gegenüber früheren Jahren, deutlich gesunken. Wir müssen keine Trauben mehr auf den Boden schneiden und können alle Trauben nutzen. Dies geschieht in mehreren Lese Durchgänge. Zumeist 3-bis 4. Zuerst den Verjus, dann den Traubensaft, dann für den leichten Rotwein "1000 ML" und dann die Hauptlese für alle anderen Qualitäten. Das System ist traumhaft. Wir steuern den Typ Wein einzig mit dem Lesezeitpunkt. Wie viel das mit dem Terroire zu tun hat, weiß ich nicht!", meint Erich schmunzelnd und fügt hinzu, "Die totale Ausbeute ist für kleine Betrieb , wie dem unseren, ein großer Vorteil. Ökonomisch, wie ökologisch, denn das bedeutet vor allem weniger Traktorfahrten in den Weingärten. " 

Gefragt nach den Aushängeschildern des Weinguts meint Mike: "Für uns persönlich ist es mit Sicherheit der Zweigelt Rustenacker. Unser ältester Weingarten, gepflanzt von meinem Vater. International zum Durchbruch verholfen hat uns der Ruländer. Seit 2006 machen wir ihnen in einem ganz eigenen Stil. An die 2 Wochen auf der Maische vergoren. Das gibt ihm viele Facetten, eine erdige Würze, viel Struktur und Frische aus dem Gerbstoff."

Gerade ihre Weißen erinnern oft an viel südlichere Regionen als das Burgenland. Gefragt nach ihren Vorbildern wird alles klar. Es waren Reisen in die Karst Regionen Italiens und Sloweniens. Allen voran die Weine von Branco Cotar der frühen 2000er, hatten beeindruckt. 

 

Weingut Michael & Erich Andert

Ist das was sie machen also Naturwein? Wie definieren sie diesen für sich?

"Das werde ich oft gefragt. Ja, wir bezeichnen das was wir machen als Naturwein. Viele Fragen im gleichen  Atemzug, ob wir auch mit Reinzuchthefen arbeiten? Da denke ich mir dann meinen Teil :-). Für uns heißt Naturwein, dass nichts dazukommt und nichts weg kommt. Einzig eine kleine Dosis Schwefel vor der Füllung, wenn der Wein nicht stabil genug erscheint. Ziel ist es immer ohne Schwefel zu füllen. Das haben wir uns erstmals bei Weiß 2013 und bei Rot 2014 getraut. Da sind wir noch in einer Experimentierphase. Aber wenn ich mir die Resultate aus 2014, ein vermeintlich so schwieriger Jahrgang, ansehe, bin ich sehr stolz, denn sie zeigen sich großartig." meint Erich strahlend.

 

Und wohin soll die Reise noch hingehen?

"Ich denke wir sind am richtigen Weg," meint Erich, "nun geht es um die Feineinstellung. Natürlich wäre es spannend mit anderen Sorten zu experimentieren, wie Trousseau oder Syrah, aber wir haben ja auch noch St. Laurent und etwas Cabernet Sauvignon. Da gibt es noch viel zu entdecken. Nachdenklich machen uns natürlich auch die veränderten Bedingungen. In meiner Kindheit haben wir im Oktober gelesen, nun lesen wir Ende August oder Anfang September. Welche Veränderung in nur 30 Jahren!".
"Es wird uns nicht fad werden!" spricht Mike gelassen aus und lacht dabei , während er das Glas erhebt! 

 

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