'Wein herzustellen und zu trinken ist für mich so selbstverständlich wie Atmen' - Interview mit Zsolt Sütò vom Weingut Strekov

Zsolt  Sütò vom Weingut Strekov
Zsolt Sütò vom Weingut Strekov

Weinskandal: Wie bist du zum Wein gekommen?

Zsolt: In unserem Dorf hat früher jede Familie einen Weinberg besessen. Das hat sich auch während der kommunistischen Ära noch fortgesetzt, allerdings konnte zu dieser Zeit jede Familie nur 0,2 ha besitzen. Dank dieser Tatsache haben die Menschen ihre Beziehung zum Boden, zum Weinbau und zum Wein machen nicht verloren, es ist immer noch Teil ihres Lebens.

Von meiner Kindheit an habe ich im Hobby-Weingarten meines Vaters gearbeitet. Wir haben Trauben verkauft um ein zusätzliches Einkommen für die Familie zu verdienen, was zu dieser Zeit sehr wichtig war. Und aus den besten Trauben haben wir ungefähr 1.000-1.500 Liter Wein nur für den Eigenbedarf hergestellt. Wein herzustellen und zu trinken ist für mich also so selbstverständlich wie Atmen.

auf Stockkultur gezogene Weingärten
Auf Stockkultur gezogene Weingärten

Weinskandal: Was hat dich zum Umdenken angeregt, oder was hat dich dazu gebracht Naturwein herzustellen? Ein besonderer Wein, ein Winzer? 

Zsolt: Als ich 2002 zusammen mit einem Partner "Strekov" als Weinprojekt gegründet habe,  wusste ich noch nicht viel über professionelle Weinherstellung. Ich war vor allem  Weintrinker. Vornehmlich unseres Hausweins, den wir damals schon "raw" produziert haben. Nur etwas Schwefel kam dazu.

Mein starker Parochialismus (Anmerkung der Redaktion:  Art von Engstirnigkeit,  auch "Provinzialismus", hier scherzhaft gemeint) wollte, dass ich den besten Wein aus unseren Weinbergen in unserem Dorf mache, um es der Welt zu zeigen. Mir wurde schnell klar, dass es notwendig seien würde, eigene Weinberge zu besitzen, um dieses Ziel zu erreichen. Also haben wir angefangen kleine Weinberge zu kaufen, die die Menschen nach den Veränderungen der Revolution verlassen haben. 

Am Anfang haben wir gedacht, dass wir  alle modernen technologischen Möglichkeiten die uns zur Verfügung stehen nutzen müssten. Doch es zeigte sich uns, dass wir durch den Einsatz von Hefen und Enzymen genau das zerstören, was wir eigentlich erhalten und aufbauen wollten. Ab 2005 haben wir die Zugabe von Zusatzstoffen zu unseren Weinen - mit Ausnahme von SO2 - eingestellt. Im selben Jahr haben wir dann auch  auf Filtration und Klärung von Rotweinen verzichtet. Ab 2011 auch bei den Weißweinen. Unsere Weinberge werden seit 2009 biologisch bewirtschaftet. Der Durchbruch kam 2012, da habe ich zum ersten Mal Weine ohne Schwefelzusatz gemacht. Und seit 2017 werden alle Weine bei uns ohne Zusatz von Schwefel hergestellt.

Florhefe
Die entstandene Florhefe

Die größten Inspirationen der letzten 3-4 Jahren fand ich bei Weinen aus dem Jura.  Also Vin Jaune’s, bzw. Stillweine mit Florhefe Kontakt. Die Einwirkung dieser Hefen auf die Weine bringt eine  zusätzliche, nicht in Worte zu fassnede Dimension, die ich ich einfach nur als überirdisch bezeichnen will. Für mich ist  die Einwirkung von Florhefe, nach der alkoholischen und malolaktischen Gärung die dritte Metamorphose eines Weins. 
(Anmerkung der Redaktion: Florhefe entsteht bei nicht spundvoll aufgefüllten Fässern natürlich. Sie zeigt sich in Form eines weißen Flaums an der Oberfläche. Die Flor,- oder auch Kahmhefe genannt, bringt in den Weinen einen Salzmandeligen Geschmack.)

Weinskandal: Wie würdest Du deine Region, das Terroir charakterisieren?

Zsolt: Ich mag den Begriff ‘Terroir‘ nicht. Dieser Begriff umfaßt ja immer nur den Bodentyp, das Mikroklima und manchmal auch den Genius Loci – also den Menschen dahinter.

Für mich  von größerer Bedeutung  für den Wein ist der „living space“. (Anmerkung der Redaktion: Damit meint er die ca. ersten 30 cm oberste Bodenschicht, in der sich vor allem das mikrobielle Leben abspielt.) Ich bin der festen Überzeugung , dass dort der Ausdruck der Region zu finden ist.

Denn der Charakter des Weins wird von Mikroorganismen geprägt  - viel mehr als man bisher glaubte - sie sind in hohem Maße für Geschmack und Stil des Weins verantwortlich. Daher muß man ihnen eine Chance zum Leben geben. Die Armut oder Vielzahl des mikrobiellen Lebens im Boden ist entscheidend. Die “chemischen Weinberge“ wie man sie heute kennt sind leblos. Danach die Zusätze und Killer-Weinmach Methoden, wie Klärung, Filtration und Sterilisation mit Schwefel mumifizieren den Wein doch nur.  

Der Weingarten von Zsolt Sütò in Strekov
Der Weingarten von Zsolt Sütò in Strekov

Aus diesem Verständnis heraus ist für mich Terroir das Leben der Gegend aus dem der Wein kommt. Das Terroir ist nicht fix und starr, es ändert sich jedes Jahr. Es ist nicht möglich, es in Absperrungen zu drängen. Es hängt auch von unserem Verständnis ab es am Leben zu erhalten. Unser Ziel, mit Strekov, ist es nicht ästhetische Weine herzustellen und die Eigenschaften durch Töten zu stabilisieren (zu digitalisieren), sondern diese Veränderungen zu verstehen und glücklich zu sein, Teil dieser Veränderung zu sein. Ziel ist es die Information im Wein unverfälscht zu behalten.

 

Weinskandal: Was ist die Idee und die Zielsetzung deiner Weine? Was möchtest du ausdrücken?

Zsolt: Ich habe Elektrotechnik mit Spezialisierung auf Datentransfer studiert. Ich habe also im Grunde nur das Medium, das Kommunikationsmittel geändert. Dank dem Wein, schicke ich jetzt Informationen über mein Leben in die ganze Welt hinaus. Ich möchte das auf bestmögliche Weise machen. Die Informationen müssen wahr, unverzerrt, ungefiltert sein und das ganze Spektrum unseres Lebens in Strekov enthalten. Das motiviert mich.

 

Weinskandal: Was ist Naturwein für dich?

Zsolt: Naturwein ist für mich, Wein aus biologisch bewirtschafteten Weingärten, hergestellt ohne ihm etwas zu entnehmen oder hinzuzufügen.

 

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